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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Vorstellung im Krankenhaus

Freitag, 27. Juni 2003

Um 9:00 Uhr meldeten wir uns in der Aufnahme der Frauenklinik. Meine Daten wurden aufgenommen und ich erhielt eine Menge Papiere. Die Operation war für Montag vorgesehen. Anschließend noch EKG, Blutabnehmen und dann melden beim Chefarzt Prof. Dr. Dr. Hohlweg-Majert.

Mein erster Eindruck: Na, ob ich mit dem wohl warm werde? Für ihn vielleicht ungewöhnlich, dass der Partner dabei ist. Kann ich aber nicht abschließend beurteilen. Reinhard übernahm dann auch die Gesprächsführung für uns. Inzwischen hatte der Professor die Röntgenbilder aufgehängt und erklärte dann: „die untere Hälfte muss weg, der Tumor ist zu groß.“

Da fing die Angelegenheit an, für mich unangenehm zu werden. Diese Dimension hatte ich nicht erwartet. Auch hier fiel zunächst das Wort „Krebs“ nicht. Oder habe ich es so nicht verstehen wollen? Der Professor zeigte uns dann die verschiedenen Möglichkeiten einer Operation auf.

Die untere Hälfte entfernen, die Brustwarze verpflanzen (auf Bauch oder Oberschenkel), um die Brust später wieder aufzubauen. Die Totalentfernung, aber dafür sei ich ja noch zu jung. Oder aus dem Rücken mit dem Muskel das entfernte Stück wieder aufzubauen. Der Bauch kam für den Aufbau nicht in Frage, da ich leidenschaftliche Raucherin bin. Die Bauchmasse hatte er beim Ultraschall zwar überprüft, sie schied aber aus. Er holte dann noch eine Puppe hervor, an der er die Technik der Operation demonstrierte.

Er machte uns klar, dass der Tumor, der im Ultraschall und (für ihn) im Röntgenbild zu erkennen war, entfernt werden musste. Er ging in dem Gespräch auch davon aus, dass der Tumor zu 80 % bösartig, also Krebs war. Dazu bot er uns den so genannten Schnellschnitt an, damit wir uns moralisch darauf einstellen konnten. Er zählte dann auch die weiteren Behandlungen wie Bestrahlungen und Chemotherapie auf. Bei dem Wort „Chemotherapie“ erinnere ich mich noch, wie Reinhard da plötzlich ziemlich blass wurde. Ich habe das irgendwie noch nicht geglaubt.

Für welche Methode also entscheide ich mich? Also, wenn schon Mal unter dem Messer, dann gleich richtig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich die Brust später wieder aufbauen lassen wollte. Ohne weitere Diskussion entschied ich mich für die „Latissimus-Methode“, also gleichzeitiger Aufbau mit dem Rückenmuskel. Die Operation war für Montagmorgen um 8:00 Uhr geplant. Der Professor meinte, dass ich ihn als Privatpatient „gekauft hätte“ und er somit den frühen Termin entscheiden konnte.

Dann entschieden wir uns auch noch für den Schnellschnitt, den der Professor selbst vornahm. Dafür musste ich in den ersten Stock in einen OP-Raum, wo ich von einer sehr netten OP-Schwester vorbereitet wurde. Die Brust wurde betäubt, der Professor erklärte jeden Schritt. Es wurden zwei Gewebeproben entnommen, die er mir auch zeigte. Danach meldeten wir uns auf der Station 40, um die Modalitäten für die Aufnahme zu klären und das Gespräch mit den Anästhesisten zu führen. Ich entschied mich dafür, erst am Montagmorgen um 6:30 Uhr zu kommen mit der Auflage, ab Mitternacht nicht mehr zu essen, trinken und zu rauchen und vorher noch die Abführtablette zu nehmen. Ich wollte die letzte Nacht noch zuhause verbringen.

Danach gingen wir wieder zum Professor, um das Ergebnis des Schnellschnitts zu erfahren. Er bat uns nicht ins Behandlungszimmer sondern setzte sich zu uns in den Warteraum. Er fragte uns, ob wir den Italiener in der Paulstrasse kennen. Dort sollten wir heute Abend essen gehen. Wir sollten dort sagen, dass wir von ihm kämen. Ein Glas Wein würde auch nicht schaden. Das Ergebnis der Untersuchung wäre leider positiv. Ich meinte dann, dass wir sehr gut selbst italienisch kochen können und lieber zuhause essen. Damit waren wir für den Tag entlassen und fuhren nach Hause.


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