Sie sind hier: Anfang => Gesundheit => Brustkrebs => Es gab so unendlich viel zu regeln Vorstellung im Krankenhaus Brustkrebs-Auswahl Im Krankenhaus Anzeigesprache: Deutsch.

Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Es gab so unendlich viel zu regeln

Zunächst rief ich meine Kollegin Alice an, nachdem ich meinen Stellenleiter nicht erreicht hatte. Sie freute sich über meinen Anruf und erzählte, dass sie mich schon sehnsüchtig erwarten würde. Entsprechende Akten hätte sie schon zur Seite gelegt. Den Zahn musste ich ihr leider ziehen. Ich erklärte ihr, dass ich am Montag ins Krankenhaus gehen würde und an Brustkrebs operiert werde. Danach Funkstille. Als sie sich wieder gefangen hatte, fragte sie als erstes, ob und wann sie mich besuchen könne. Das konnte ich nicht abschließend beantworten. Ich sagte ihr, dass wir doch zunächst die Operation abwarten wollen. Mein Mann würde sich schon bei ihr melden.

Erst später habe ich dann erfahren, welchen Schock diese Mitteilung bei ihr ausgelöst hat. Ich wusste nicht, dass ihre Mutter vor zwei Jahren an Krebs (Magenkrebs) gestorben war und sie deshalb ziemliche Ängste um mich hatte. Da ich mich bisher mit dem Thema Krebs nicht weiter beschäftigt hatte, versuchte ich sie zu beruhigen und mich für Montag bis auf weiteres erst einmal krank zu melden.

Irgendwie passte das alles nicht in meinen geplanten Ablauf. Ich ging davon aus, dass meine Kollegen auf meine Wiederkehr warteten, damit ich ihre Fragen auf kurzem Weg beantworten konnte. Außerdem lief die Orga-AG, die sich mit einer Umstellung der Arbeitsabläufe beschäftigte und in der ich mich stark engagiert hatte. Deshalb hatte ich den Professor auch gefragt, wie lange ich denn ausfallen würde. „Also, Beamte würden diese Erkrankung bis zum Höchstmaß ausweiten, Selbständige würden nach drei Wochen wieder arbeiten. Aber 10 Tage Krankenhaus sollte ich bei dieser Operation schon mal einplanen.“ Das gab mir ja Hoffnung, dass ich nicht so lange ausfallen würde.

Inzwischen hatte Reinhard im Internet schon mal recherchiert und diverse Seiten ausgedruckt. Unsere erste Information dazu war, dass jährlich ca. 48.000 Frauen neu an Brustkrebs erkranken. Ein Zusammenhang schien auch mit der Einnahme von Hormontabletten zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden zu bestehen. Diese Hormone nahm ich seit Mitte 1999 und fühlte mich damit wieder sehr gut.

Wir haben von Anfang an nicht mit meinem Schicksal gehadert, sondern es so hingenommen. Irgendwo müssen die 48.000 Frauen ja wohnen, die jährlich neu an Brustkrebs erkranken. Wir haben immer gleich die Erkrankung (nicht Krankheit) bei ihrem Namen genannt und dieses Argument mit den 48.000 Frauen als Erklärung gegeben.

Reinhard hat dann seitenweise Informationen aus dem Internet ausgedruckt, mit denen ich mich dann beschäftigt habe. Ich hatte aber nie Todesangst oder Befürchtungen. Ich ging nach wie vor davon aus, dass der Tumor herausgeschnitten wird und alles gut sein wird. Aber ich überlegte doch, ob wir an diesem Wochenende nicht doch noch ein Testament machen sollten. Eigentlich haben wir ja alles geregelt, bis auf die Art der Beerdigung. Irgendwie sind wir im Laufe des Wochenendes aber doch zu dem Ergebnis gekommen, dass alles gut gehen wird und deshalb keine besonderen schriftlichen Verfügungen notwendig sind.

Was braucht man alles für einen Krankenhausaufenthalt von 10 Tagen? Mein Bademantel, den ich seit ..nn Jahren im Schrank habe, eignete sich nicht dafür. Also gingen wir Samstagvormittag noch in die Stadt und kauften einen neuen Morgenrock mit weiten Ärmeln und ein Nachthemd. Ich habe nur zwei Schlafanzüge und ein kurzes Nachthemd.

Wen sollten wir über die bevorstehende Operation informieren? Meine Schwester habe ich am Sonntag angerufen. Sie war doch ziemlich entsetzt. Ich musste auch sie beruhigen, dass es doch vielleicht gar nicht so schlimm werden würde. Wann sagen wir es unseren Kindern? Wir waren am Samstagnachmittag sowieso dort zum Grillen eingeladen, weil sich Donna und Al aus Amerika angesagt hatten. Der Verband vom Schnellschnitt war ab und wir wollten abwarten, ob sich eine Möglichkeit ergibt. Aber zwei Kleinkinder und sich verspätetende Ami's ergaben nie die Chance, mit Svenia eine ruhige Minute zu haben. Außerdem, warum sollten wir sie unnötig beunruhigen, das Kind hatte so viel um die Ohren. Allerdings wollte ich meinen täglichen Weinkonsum langsam herunterschrauben, deshalb habe ich bei den Kindern ein Glas Wein abgelehnt. Ich konnte es mit der relativ frühen Mittagsstunde (zumindest damals) begründen. Nachdem Donna und Al dann doch noch eintrafen, haben wir uns von dort verabschiedet und entschieden, dass es die Kinder dann eben später erfahren werden. Am Sonntag rief Svenia vormittags an und fragte, ob wir uns mit ihnen beim Schützen-Ausmarsch treffen wollten. Das hat Reinhard mit fehlender Zeit abgelehnt, das Kind hat nicht weiter nachgefragt.

Ich habe am Sonntag (wie immer) den Haushalt auf Vordermann gebracht, noch mal die Treppe geputzt und dann den Koffer für das Krankenhaus gepackt. Reinhard hat dann abends meine linke Achsel rasiert, ich habe zu der angegebenen Zeit die Abführpille genommen, wir haben noch ferngesehen und um Mitternacht habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Wir waren doch beide ziemlich aufgeregt und haben die Nacht schlecht geschlafen.


Download Dieses Tagebuch können Sie auch als formatiertes Word-Dokument (38 Seiten) oder auch als PDF-Datei (1 MB) von dieser Seite laden. Download

©2004-2017 Barbara Luszcz E-Mail Barbara Luszcz /krebs/krebs013.htm
Aktualisiert am: 2017-03-01; 19:22:41
Impressum: Wir über uns!
Diese Seite wurde validiert: Valid HTML 4.01 CSS is valid! Anzahl Aufrufe