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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Besuche im Krankenhaus

Ich wurde von einer jungen Frau angesprochen, ob ich für eine Teilnahme an einer Studie bereit wäre. Der Termin wurde für Montag 9:30 Uhr abgemacht. Es handelt sich um eine Studie zum Einfluss lebensverändernder Ereignisse auf den Verlauf von Krankheiten. Geplant waren knapp zwei Stunden, es wurden aber 3½ Stunden, unterbrochen von meinem Mittagessen und einer Zigarettenpause. Die Fragen behandelten mein persönliches Umfeld zwei Jahre vor Ausbruch der Krankheit. Irgendwie gab es keine besonderen Vorkommnisse, die mit dem Ausbruch der Krebserkrankung in Verbindung stehen könnten. Sie wird sich nach einem Jahr wieder bei mir melden, ist ja demnächst.

Meine Nachbarin Inge (eigentlich heißt sie Ingeborg) bestand darauf, mich im Krankenhaus zu besuchen. Sie wollte sich wohl überzeugen, dass es mir wieder besser geht. Meine ehemalige Kollegin Brigitte war vor ca. 1½ Jahren selbst an Brustkrebs operiert worden und hatte von mir irgendwie erfahren. Auch sie hatte vorher telefonisch einen Besuchstermin bei mir vereinbart. Und natürlich besuchte mich auch meine Kollegin Alice, begleitet von Agnes, die noch länger „im Wohngeld“ ist als ich. Mit den beiden hatte ich mich für Mittwoch gleich im Raucherzimmer als Treffpunkt verabredet. Alice brachte eine Tasche voll Geschenke mit. Das Buch hatte einen neuen Einband „Wohngeldgesetz 2001“ erhalten, der von Cordulas Mann eingescannt und auf die entsprechende Größe gebracht wurde. Außerdem hatten die Kollegen eine „Wohngeldakte“ mit interessanten Fällen und Vermerken zusammengestellt, über die ich mich sehr gefreut habe. Dann gab es noch eine „Trost-Schokolade“ und viele gute Wünsche von allen. Von Agnes bekam ich auch ein Buch, beide habe ich bisher aus Zeitmangel noch nicht lesen können. Alice war frisch verliebt. Sie hatte über das Internet ihren Traummann Oliver kennen gelernt und schwärmte in den höchsten Tönen von ihm.

Die dritte Drainage tröpfelte immer noch vor sich hin, es lief noch zu viel Wundwasser ab. Es zeichnete sich ab, dass ich mit dieser Drainage entlassen werde. Die Thrombosestrümpfe konnte ich nach acht Tagen auch ausziehen, aber sie waren schön warm gewesen. Nach und nach wurden auch die anderen Patientinnen, die sich im Raucherzimmer trafen, entlassen. Somit trafen wir uns abends nach dem Heute-Journal auf eine Abschiedszigarette. Die „Abschiedsfeten“ dauerten ausnahmslos immer bis Mitternacht. Auf dem Rückweg bat ich die Nachtschwester, mir mein Bett für die Nacht herunterzustellen, das kriegte ich selbst noch nicht geregelt.

Mit Gaby verband mich gleich eine besondere Sympathie. Wir sind etwa gleich alt, hatten das gleiche Problem und standen vor einer Chemotherapie. Wir verabredeten an meinem letzten Abend, dass wir versuchen wollten, die Chemos gemeinsam durchzuführen. Da ich vermutlich eher den Termin in der Chemo-Ambulanz hatte, wollte ich die Weichen dafür stellen. Wir tauschten noch die Adressen und Telefonnummern aus. Auch Reinhard hatte Gaby bereits kennen gelernt. Er ging bei seinen Besuchen immer erst am Raucherzimmer vorbei, ob ich evtl. dort sei. Einmal stand eine blonde Frau am Fenster, gleich Größe, gleiche Figur, gleiche Haarlänge und im Gegenlicht. Er ging auf die Frau zu, um sie zu küssen und merkte im letzen Moment, dass sie die falschen Schuhe anhatte. So hat er Gaby kennen gelernt.

Am Mittwochabend hat Reinhard unsere Kinder telefonisch informiert. Er erreichte nur Andreas, dem er, wie unter Männern üblich, kurz den Sachverhalt schilderte. Als Svenia später nach Hause kam, sollte sie als erstes ihre Arme heben, dann erzählte ihr Andreas von Reinhards Anruf. Natürlich rief sie ihren Vater sofort zurück. Nur Besuchen lohnte nicht mehr, ich wurde ja den nächsten Tag entlassen.


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Aktualisiert am: 2017-03-01; 19:32:27
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