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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Der Port wird eingebaut.

Montag, 14. Juli 2003

Da ich mit der Chemo so lange „rumgezickt“ hatte, musste der Port ambulant eingebaut werden. Ein Erlebnis für sich. Ich hatte für 8:00 Uhr einen Termin in der chirurgischen Ambulanz im Nordstadtkrankenhaus.

Für Außenstehende sollte ich erklären, dass dies Krankenhaus bereits vor dem Krieg in einem Pavillonsystem erbaut wurde, Besucher dieses Krankenhauses erhalten nach Bedarf einen Lageplan. Mit diesem Plan versehen suchten wir das Gebäude, in dem wir uns zu melden hatten. Bei der Anmeldung war mein Termin bekannt, ich sollte also Platz nehmen. Die Ambulanz füllte sich zusehends, Mitarbeiter wuselten geschäftig über den Gang hin und her. Nach einer Dreiviertel Stunde wurde ich aufgerufen, man führte uns in einen Raum, in dem ein Krankenbett stand, darauf lag das berühmte „OP-Hemd“. Man bat mich, dieses Hemd anzuziehen, ich würde dann abgeholt. Meine Sachen verstaute ich in einem Spind, kurz darauf kam ein Pfleger, um mich in den OP zu bringen.

Aber nicht im gleichen Gebäude. Reinhard begleitete mich über das Gelände, zwischendurch wurde die herausgefallene Schraube am Rad des Bettes wieder eingeschraubt. In das OP-Gebäude durfte er mich nicht begleiten. Mit meiner Handtasche in der Hand fräste er dann ca. eine Stunde Rillen in den Asphalt, während er auf mich wartete. In dem OP-Gebäude geschäftiges Hin- und Herwuseln von grün bekleidetem Personal. Man erklärte mir, dass sich mein Termin etwas verschieben würde und gab mir freundlicherweise ein paar bunte Blätter zum Lesen. Patienten in Betten wurden hin und her geschoben, irgendwann holte man mich. Ich wurde durch enge Gänge geschoben, musste auf eine OP-Liege umsteigen, mein rechter Arm wurde durch ein darunter liegendes Frottehandtuch am Körper fixiert. Eine wirksame Methode, wenn der Patient während der OP nicht eingreifen soll. Dann wurde ich in den OP-Saal geschoben. Ich wurde mit verschiedenen Folien beklebt und an ein EKG angeschlossen.

Dann hängte man ein grünes Tuch vor mein Gesicht, es kam ein „Grünbekittelter“, der mir ins Gesicht sah und dann ein fröhliches Lied vor sich hin trällerte. Der Chefarzt, wie sich später herausstellte, begann mit der Betäubungsspritze, die wirklich unangenehm war. Dann summte er vor sich hin und sagte dann irgendwann: „Marlies, du kannst den Port schon mal auspacken“.

Schemaansicht eines Port Der Port:
Der Port ist ein mit einer Silikonmembran ausgestattetes kleines Hohlsystem, das mit dem Venenverweilkatheder verbunden ist. Der Port wird komplett in das Unterhautfettgewebe eingepflanzt, er wird bei Bedarf durch die Haut punktiert. In den Behandlungspausen ist der Patient in seiner Beweglichkeit nicht eingeschränkt.

Ein Klick auf das Bild zeigt ein grosses Bild.

Foto des ausgebauten Ports

Kurze Zeit später riss man mir die grünen selbstklebenden Tücher wieder ab, entfernte den Vorhang vor meinem Gesicht und erklärte mir, dass alles gut verlaufen sei. Versehen mit den Unterlagen über den Port wurde ich aus dem OP wieder heraus geschoben. Ich stieg um in mein Bett und wurde glücklicherweise gleich abgeholt. Auf dem Weg über das Gelände fing ich meinen sorgenvoll dreinblickenden Reinhard auch wieder ein, zog mich an und ging mit Reinhard auf die nächste Bank, um erst mal eine zu rauchen.

Unser Mittagessen haben wir im La Locanda auf dem E-Damm eingenommen. Da unser Hausarzt genau gegenüber ist, habe ich mir noch bis Ende der Woche eine Krankmeldung abgeholt. Gegen Nachmittag ließ die Betäubungsspritze nach und die Schmerzen setzten ein. Wir haben entschieden, dass ich mich da nicht weiter quäle und so nahm ich doch einige Schmerztabletten. Abends konnte ich mich mit Ach und Krach abschminken, aber ich war nicht in der Lage, mich abzutrocknen. So musste mich Reinhard unterstützen und ich sagte ihm immer wieder, dass ich mich „echt Scheiße“ fühle. Links lahm wegen der Operation und rechts lahm wegen des Port. Kein anderes Wort beschreibt meine Situation besser.


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Aktualisiert am: 2017-03-01; 19:38:46
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