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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Meine erste Chemotherapie.

Donnerstag, 24. Juli 2003

Wir sollten um 10:00 Uhr in der Chemo-Ambulanz sein. Wasser bekam ich dort, aber Tee oder Kaffee sollte ich von zu Hause mitbringen, ebenso etwas zu essen. Also kochte ich mir eine Kanne Tee, schmierte mir ein Brot und packte meine Tageszeitung ein. Wir waren rechtzeitig da und so organisierte ich schon mal einen Raum für Gaby und mich. Ich traf weitere bekannte Gesichter von meinem Krankenhausaufenthalt.

Die Räume sind für zwei Patientinnen vorgesehen, manchmal wird nach Bedarf eine dritte Frau „dazu gesetzt“. Bei unserer ersten Chemo waren wir aber zu zweit. Reinhard verabschiedete sich und so harrten wir der Dinge, die da kommen sollten. Die Ständer mit den vorbereiteten Beuteln wurden hereingerollt. Die Infusionsnadel wurde in den Port gestochen. Das klappte bei mir recht gut, bei Gaby hat es leider nicht gleich funktioniert und es war für sie recht schmerzhaft. Als erstes gab es einen Beutel mit einem Magenmedikament, damit die weiteren Flüssigkeiten besser vertragen werden. Gleichzeitig lief aber immer ein Beutel Kochsalzflüssigkeit mit. Wenn der erste Beutel durch war, gab es das erste durchsichtige Medikament, danach die rote Flüssigkeit.

Die ganze Prozedur dauerte ca. drei Stunden. Beim ersten Mal haben wir immer brav abgewartet, bis eine Schwester kam. Später erfuhren wir, dass wir uns melden sollten, wenn die Beutel leer waren. Dazu gab es zwei Tabletten zum Schutz der Blase. Die erste mussten wir um 12:00 Uhr nehmen, die zweite um 14:00 Uhr zu Hause. Bei unserer ersten Sitzung hatten wir noch ein Arztgespräch, in dem noch einige Fragen beantwortet wurden. Außerdem kam immer eine Schwester mit einem Block, um unsere Wünsche (Taxischein, Tabletten, etc.) zu notieren. Ja, und die andere Zeit haben wir uns unterhalten, über unsere Erlebnisse der letzten Tage, Befürchtungen und weitere Pläne.

Auch Gaby hatte wieder vor, zu arbeiten. Sie konnte teilweise zu Hause arbeiten, ihr Chef hatte ihr extra ein Notebook dafür gekauft. Die Lymphdrainage bei ihr wurde viel umfangreicher durchgeführt als bei mir. Und plötzlich war die Zeit um und unsere Männer tauchten auf, um uns abzuholen. Wir fühlten uns beide noch relativ gut, bekamen noch Rezepte und Anweisungen für die nächsten Tage und gingen dann gemeinsam erst mal eine rauchen. Wir verabredeten uns für Freitag 16:00 Uhr beim Perückengeschäft auf der Lister Meile.

Reinhard und ich fuhren nach Hause. Es war schönes Wetter und wir gingen auf dem E-Damm noch einkaufen, damit wir abends was zu essen haben. Unser Reinigungsmann war ganz erstaunt, uns um diese Zeit gemeinsam zu sehen und wir erzählten ihm den Grund dafür. Er war ziemlich entsetzt und wünschte uns alles Gute. Die verschriebenen Tabletten mussten von der Apotheke erst bestellt werden, aber ich hatte die erste Tablette ja von der Chemo-Ambulanz mitbekommen. Da ich Selbstzahler bin, muss ich die Medikamente gleich bezahlen. Deshalb fragte ich vorsichtig nach dem Preis und bezahlte dann die Packung mit acht(!) Tabletten mit EC-Karte, da ich die erforderlichen 234,80 € gerade nicht im Portemonnaie hatte. Die Paspertintabletten waren vorrätig, die nahm ich gleich mit.

Wir kauften eingelegte Lammkoteletts, Salat hatte ich noch zu Hause (der letzte, bevor wir diese Ernährungsform einstellten), außerdem hatte ich Appetit auf ein Stück Kuchen. Das habe ich auch mit Genuss zu Hause gegessen. Dann habe ich die Tageszeitung gelesen und irgendwie abgewartet, was so passiert. Wird mir schlecht? Was macht der Kreislauf? Kriege ich jetzt Kopfschmerzen? Alles nicht wirklich. Ich nahm deshalb die Magentablette nicht, weil ich irgendwie keinen Bedarf sah. Die Lammkoteletts und der Salat gingen allerdings schon recht langsam runter, abends nahm ich dann doch die Magentablette. Der Appetit war auch verflogen, auf das Glas Wein habe ich an diesem Abend vorsichtshalber verzichtet. Ich habe mich nicht übergeben, hatte keine nennenswerten Kreislaufprobleme, aber richtig gut habe ich mich auch nicht gefühlt.

Da ich mich für den Freitag von vorne herein krank gemeldet hatte, konnte ich erst einmal ausschlafen. Wir haben dann gemütlich gefrühstückt und die verschriebenen Tabletten von der Apotheke abgeholt. Mir war latent übel, aber nicht richtig schlecht. Die Zigarette hat übrigens immer geschmeckt, also wirklich krank war ich nicht.


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