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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Die zweite und dritte Chemo und Alltagsgeschichten.

Ja, und dann stand in der Woche auch schon wieder die nächste Chemo an. Als ich Mittwoch im Krankenhaus wegen der Werte anrief, erfuhr ich, dass dort noch kein Fax angekommen war. Beim Rückruf beim Hausarzt erfuhr ich, dass sie es wegen Renovierung im Erdgeschoß noch nicht absenden konnten. Deshalb fuhr Reinhard zum Hausarzt, holte die Werte ab und brachte das Ergebnis selbst ins Krankenhaus. Da die Werte O.K. waren, durfte ich am Donnerstag zur nächsten Chemo kommen. Dieser Vorfall führte dann allerdings dazu, dass ich in der Woche der Chemo am Mittwoch morgens direkt ins Krankenhaus zur Blutabnahme fuhr.

Zu der zweiten Chemo habe ich erst gar keine Zeitung mitgenommen. Diesmal waren wir zu dritt, die Patientin hatte ihre sechste und letzte Chemo und hatte schon mehr Erfahrungen mit den Nebenwirkungen. So erfuhren wir auch, dass wir uns bei der Schwester per Telefon melden konnten, wenn eine Flasche „ausgetrunken“ war. Das verkürzte die Einnahmezeit. Gaby hatte nach der ersten Chemo doch erheblich mehr Schwierigkeiten als ich. Bei ihr war die befürchtete Übelkeit eingetreten. Deshalb bekam sie bei der zweiten Chemo ein anderes Magenmedikament, gepaart mit etwas Kortison. Mit dieser Mischung hat sie die Chemo dann wesentlich besser überstanden.

Wir rauchten danach vor dem Krankenhaus noch eine Zigarette, Schwester Anne von Station 40 machte gerade Feierabend und so klönten wir noch ein wenig. Reinhard hatte eigentlich keine Zeit, weil er um 14:00 Uhr einen Termin beim Kunden ausgemacht hatte. Er fuhr mich nach Hause und ich lenkte mich mit Zeitung lesen und ein bisschen Computerspielen ab. Da ich Appetit auf was Frisches hatte, habe ich auf den Nachmittag verteilt einen Apfel gegessen. Sonst sind Äpfel bestimmt nicht mein Lieblingsobst, aber nach der Chemo hatte ich Appetit darauf. In weiser Voraussicht hatte ich ein magenfreundliches Putenragout vorgekocht, das ich abends auch mit Appetit gegessen habe. Ich hatte auch auf Anraten der Schwestern eine Magentablette genommen, trotzdem habe ich mich abends übergeben. Das war das aber das einzige Mal, dass ich mich übergeben habe.

Aus Termingründen konnte ich erst am Freitag in den Perückenladen, um meine Perücke anpassen zu lassen. Wir hatten für vormittags einen Termin vereinbart, das „Einnähen“ dauerte ungefähr 30 Minuten. Ich hatte mein buntes Tuch mitgenommen, das mir Frau Hirsch kunstvoll um den Kopf band. So ging ich das erste Mal nur mit einem Tuch auf dem Kopf „unter die Leute“. Wir gingen die Lister Meile entlang und suchten einen Laden, weil ich mir ein paar neue Perlenohrstecker kaufen wollte. Bei dem Juwelier auf der Lister Meile sind wir fündig geworden. Sie waren recht teuer, aber ich brauchte welche und wollte mich wohl auch damit trösten. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Hutladen vorbei, der Strohhüte im Angebot hatte. Mit Blick auf den bevorstehenden Urlaub suchte ich mir aus mehreren Modellen einen witzigen roten Strohhut mit einem bunten Band aus. Nach dem Anpassen saß die Perücke nun viel besser, und die Brille drückte auch nicht mehr.

Laut meinen Aufzeichnungen begann sich der Alltag zu normalisieren, soweit man in dieser Phase von Normalität reden kann. Ich ging weiter auf dem Damm einkaufen, Reinhard fuhr mich zur Arbeit, wöchentliche Blutabnahmen, Krankengymnastik und Lymphdrainagen hatten ihre festen Termine in unserem Tagesablauf.

Da unsere Kinder und Enkelkinder ständig erkältet waren, schieden Besuche aus. Bei einem Telefonat mit Svenia wollte mich auch Lukas sprechen. Völlig unvermittelt fragte er mich, was denn meine Haare machen? Er muss bei unserem letzten Gespräch irgendwie wohl mitbekommen haben, dass etwas mit meinen Haaren sein könnte. Ich erklärte ihm, dass sie jetzt etwas kürzer seien und ich wieder blond wäre. Damit gab er sich zufrieden.

Meine Narben begannen zu heilen. Reinhard rieb sie jeden Morgen und jeden Abend mit Olivenöl, natürlich erste Pressung, ein und beobachtete aufmerksam meine Rückennarbe. Aber es schien sich kein Wundwasser mehr zu bilden, das hatte ich also überstanden.

Meine Wimpern und Augenbrauen wurden immer weniger. Als ich dies feststellte, tröstete mich Reinhard mit den Worten: „Dann geben wir den Wimpern eben Namen und beerdigen sie einzeln“. Auch die Haare in den Achseln und die Schamhaare waren fast völlig weg.

Die Augenbrauen zog ich mit der Wimperntuschenbürste nach. Einige wenige waren ja noch da. Eine weitere Standardfrage am Morgen war: „Hast Du schon gefönt?“

Meine Maniküre musste nun wesentlich sanfter sein, als ich sie bisher durchgeführt hatte. Bisher ging es nicht ohne einige Blutstropfen ab, da ich die Nagelhaut mit der Schere abgeschnitten hatte. Das war nun vollständig verboten, da ich auch kleinste Verletzungen vermeiden musste. Also probierte ich verschiedene Techniken aus (Rosenholzstäbchen, wachsen lassen) und bin bis heute nicht so recht glücklich damit. Auch das Lackieren der Fingernägel fiel für die nächsten Monate vollständig aus. Außerdem habe ich mich nie so häufig an den Händen verletzt, wie zu dieser Zeit, weil man sich ja besonders vorsieht! Es trat glücklicherweise keine Entzündung auf.

Meine Kollegen unterstützten mich, in dem sie meine Akten für mich zogen. Alice heftete meine Bescheide ab und hängte meine Akten auch wieder weg.

Den Abend vor der Chemo nahm ich vorsichtshalber eine Baldriantablette, bevor ich schlafen ging. Ich wusste inzwischen, was mich erwartet, doch das Unterbewusstsein lässt sich nicht unterdrücken. Und eine gewisse Angst bzw. Unruhe ist eben doch da.

Die dritte Chemo verlief ohne Zwischenfälle. Wir wurden wie immer von den Schwestern gut betreut und mit Quatschen verging der Vormittag recht schnell. Die berühmte Abschlusszigarette vor dem Krankenhaus schafften wir gerade noch, bevor Gabys Taxi kam. Sie wünschte uns noch einen schönen Urlaub.


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©2004-2017 Barbara Luszcz E-Mail Barbara Luszcz /krebs/krebs028.htm
Aktualisiert am: 2017-03-01; 20:02:20
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