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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Urlaub auf der Insel zwischen zwei Chemos.

September 2003

Wir hatten bei unserem Juni-Aufenthalt auf Langeoog ein anderes Hotel mit einem sehr schönen Zimmer (Badewanne, Balkon) gefunden und damals schon ab 7. September für zwei Wochen gebucht. Nachdem ich die Diagnose erfahren hatte, wollte ich unbedingt absagen. Es war ja nicht abzusehen, was auch uns zukam. Reinhard bestand damals auf Abwarten und er hatte Recht. Terminlich gesehen passte der Urlaub genau zwischen zwei Chemos und bei unserem ersten Gespräch in der Chemoambulanz hatte man uns dazu geraten, den Urlaub ruhig zu machen. Reinhard versprach mir, mich notfalls vom Bahnhof zum Hotel mit der Kutsche zu fahren, falls es mir nicht gut geht.

Also packte ich am Samstag die Koffer und wir fuhren Sonntagmorgen los. Und ich bestand darauf, auf der Fahrt meine Perücke aufzubehalten. Die Fahrt verlief reibungslos und wir kamen gut an. Zu Fuß und ohne Kutsche erreichten wir das Hotel. Es war ja doch eine gute Idee. Mein Appetit brauchte erfahrungsgemäß vier Tage nach der Chemo, bis er einigermaßen wieder da war. Somit aß Reinhard die ersten Tage meine Reste auf, später schaffte ich die Portionen allein.

Wir hatten durchgehend schönes Wetter und machten in der ersten Woche zunächst kleinere Spaziergänge. Da ich meinen Arm vor starker Sonneneinstrahlung schützen musste, ging ich eben mit einer leichten Strickjacke. Da ich wöchentlich zur Blutentnahme musste, fiel das natürlich auch im Urlaub nicht aus. So sprachen wir beim Inselarzt vor. Die Entnahme und das Faxen des Ergebnisses an das Krankenhaus machte keine Probleme. Natürlich wollte der Arzt mich auch sehen, so verbrachten wir eine gewisse Zeit in der Praxis. Nach seiner Auffassung schadete ein Glas Wein am Abend nicht. Das haben mir auch alle anderen behandelnden Ärzte zugestanden.

Meine Kondition nahm zu und so fuhren wir die zweite Woche mit dem Fahrrad größere Strecken über die Insel. Um die Perücke zu schonen (ein Ratschlag von Frau Hirsch aus dem Perückengeschäft), fuhr ich teilweise auch nur mit meinem Hut los, allerdings hatte ich sicherheitshalber immer ein Tuch darunter. Wenn ich mit Perücke unterwegs war, hatte ich immer ein Tuch in der Tasche, mit dem ich die Haare festbinden konnte. Und ich lernte, wie viel Windstärken der „Skalp“ aushält.

Weil das Tuchbinden immer so aufwändig war, kaufte ich mir auf der Insel ein „Mützchen“, mittlere Kindergröße. Das war wesentlich einfacher zu handhaben und abends auch wärmer. Da wir meinen Perückenständer samt Inhalt mitgenommen hatten, gönnten wir uns abends ein Schlückchen von dem Whiskey. Die Flasche hat den zweiten Urlaub dann nicht mehr überstanden.

Unser Hotel hatte eine Sauna, weil ich früher im Urlaub gerne in die Sauna gegangen bin. Das war nach dem Eingriff erst einmal geknickt. Da wir ein Zimmer mit Badewanne hatten, gönnte sich Reinhard abends ein Wannenbad, danach bin ich auch für eine kurze Zeit in die Wanne. Aber so richtig habe ich es nicht genießen können. Wie reagiert der Arm? Ich habe mir in diesem Urlaub zwei zusätzliche Lymphdrainagen gegönnt, die im Kurmittelhaus durchgeführt wurden.

Nach der ersten Behandlung war ich sehr überrascht, was eine Lymphdrainage alles sein kann. Es wurde nicht nur der Arm, sondern auch die Leiste und die Seite sowie die Finger behandelt. Das ist halt das Problem, wenn man so etwas das erste Mal bekommt. Man muss sich auf die behandelnden Personen verlassen, dass sie es richtig machen. Auf der einen Seite ist es richtig, die Situation nicht zu harmlos darzustellen, andererseits führt zu viel Vorsicht und Gerede darum zu einer gewissen Panik, mit der die Betroffenen auch nicht richtig umgehen können. Ich habe deshalb lange Zeit meinen Arm abends beim Fernsehen hoch gelagert (Kopfkissen auf der Lehne), um einem möglichen Lymphödem vorzubeugen. Es hat zumindest nicht geschadet. Reinhard war bei meiner zweiten Lymphdrainage dabei, damit er so eine Behandlung ansehen konnte. Nach meiner Auffassung konnte er es bei Bedarf bei mir durchführen, dafür brauchte ich keine weiteren Termine bei den Therapeuten.


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Aktualisiert am: 2017-03-01; 20:05:04
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