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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Die Bestrahlungen in der Strahlenambulanz.

November 2003

Am 18. November hatte ich meinen ersten Termin in der Strahlenambulanz im Friederikenstift. Dort wurde ich „angezeichnet“, d. h. die Punkte des Bestrahlungsfeldes wurden mit Edding-Kreuzen markiert. Und ich erhielt die neuen Verhaltensmaßregeln. Brigitte hatte mir im Vorfeld erzählt, dass sie nicht duschen durfte. Und das bei meinem Körpergeruch. Bei Gaby wurden drei winzige Punkte tätowiert und sie durfte duschen. Ich hatte Glück, das Duschen wurde nicht verboten, wohl aber Duschlotion und Deo, auch Parfüm. Das Bestrahlungsfeld sollte ich mit Babypuder behandeln. Gleichzeitig wurden auf der grünen Karte die 28 Bestrahlungstermine eingetragen. Da die Abteilung bis abends 22:00 Uhr geöffnet war, passte ich die Termine meiner jeweiligen Arbeitszeit an. Wegen möglicher Nebenwirkungen (Müdigkeit, Unwohlsein) legte ich die Termine an meinen langen Tagen erst danach um 19:45 Uhr. Jeden Tag, außer am Wochenende. Wenn alles gut ging, wäre ich am 31. Dezember 2003 fertig gewesen.

Abends fuhren wir nach Algermissen, weil die Berliner da waren. Sie sollten sich überzeugen, dass es mir recht gut geht und sie sich keine Sorgen machen sollten. Zu der Bestrahlung konnte ich ja noch nichts sagen, aber ich war zuversichtlich, dass das, gemessen an der Chemo, das kleinere Übel war.

Am nächsten Tag fand die entscheidende Orga-AG statt, in der das neue Organisationsmodell für alle Teams festgelegt wurde. Abends traf ich mich mit den ehemaligen Kollegen zum sogenannten Mädelstreff. Das Leben ging also weiter, zukünftig angereichert durch die Bestrahlungstermine.

Am 20. November fand die erste Bestrahlung statt. Natürlich hatte ich mir von Gaby Informationen dazu geholt, sie war ja schon fast fertig. Die Bestrahlung selbst tut nicht weh, dauert nur 2½ Minuten. Die Verbrennungserscheinungen treten erst nach zwei bis drei Wochen auf, eine gewisse Müdigkeit ist auch auf die tägliche Behandlung zurückzuführen.

Die Mitarbeiter der Strahlenambulanz waren sehr nett und erklärten mir den Ablauf. Ich musste ein Handtuch mitbringen, auf das ich mich legte. Die Arme musste ich hinter den Kopf legen, ruhig weiteratmen und vor allem durfte ich mich, nachdem sie mich auf der Liege eingestellt hatten, möglichst nicht mehr bewegen. Dann verließen die Mitarbeiter den Raum und es summte und surrte. Ich habe nie richtig begriffen, wann der Apparat strahlt, wärmt oder misst. Das erste Mal kamen die Mitarbeiter wieder rein um den Apparat auf die Bestrahlung von der Seite einzurichten. Später ging die Prozedur von oben und von der Seite ohne Unterbrechung völlig automatisch.

Ja, und dann konnte ich wieder gehen. Das längste war die Anfahrt und das Warten im Wartezimmer. In dieser Zeit war ich immer auf dem neuesten Stand in den Königshäusern und bei den anderen Prominenten, da die neuesten Ausgaben der bunten Blätter im Wartezimmer auslagen. Bis dahin hatte ich es aufgrund aller Vorsichtsmaßnahmen geschafft, die Zeit ohne Erkältungen zu überstehen. Nun fuhr ich zumindest morgens bzw. mittags wieder mit Öffis, das Wartezimmer in der Strahlenambulanz war teilweise sehr voll und ich fühlte mich schon noch etwas unwohl dort. Aber abends holte mich Reinhard von der Arbeit ab, wir fuhren zur Bestrahlung und waren teilweise erst gegen 20:30 Uhr zu Hause. Da er zu der Zeit noch den Kurs hatte, konnten wir dann erst unser Essen kochen. Die Tage waren schon recht lang für uns beide.

Dazwischen telefonierte ich immer mal wieder mit Gaby, wir tauschten Erlebnisse und Erkenntnisse aus. Uns so verabredeten wir uns gemeinsam mit unseren Männern beim Chinesen zum Essen. Das Essen war nicht so gut, aber wir vier haben uns stundenlang, und nicht nur über unsere Erkrankung, nett unterhalten.

Von der Kur hatte Gaby noch keine Nachricht erhalten. Da war ich besser. Ich hatte inzwischen auch die Zusage von meiner Beihilfestelle erhalten. Die wollten mich allerdings nach Bad Oeynhausen schicken. Ich hatte aber im Vorfeld geklärt, dass ich, je nach dem, wohin Gaby geschickt wird, den Ort ändern kann.

Meine vorab festgemachten Bestrahlungs-Termine wurden bei Bedarf nach meinen Wünschen auch geändert, z.B. für Kaffeeklatsch, Geburtstagsfeiern oder auch Kurzurlaub bei meiner Schulfreundin.

Und nach drei Wochen stellten sich auch bei mir gewisse Erschöpfungserscheinungen ein. Gepaart mit erheblichen Rötungen des Bestrahlungsfeldes waren die Tage insgesamt einfach zu lang. So überlegte ich mir, meine Arbeitszeit nun doch aufgrund der geänderten Bedingungen vorübergehend zu verringern. Ich wollte täglich fünf Stunden arbeiten, aber meine Überstunden waren nun fast aufgebraucht und Minusstunden wollte ich deshalb nicht anhäufen.

Damit war mein Stellenleiter natürlich einverstanden, aber wie regelt man das? Die Rechtsstelle wies mich auf Konsequenzen bezüglich meiner Pension hin, so kompliziert wollte ich das doch gar nicht. Nachdem ich ihr die Situation geschildert hatte, fragte sie mich, warum ich mich nicht auf die verringerte Arbeitszeit krankschreiben lasse. Daran hatte keiner gedacht. Und es war doch so einfach. Die Krankmeldung bestellte ich telefonisch bei meinem Frauenarzt. Auch das ging ohne Probleme.

Meine Schulfreundin Christina, die jetzt in Eschwege wohnt, hatte am 12. Dezember ihren 50. Geburtstag und feierte ihn am Sonntag, den 13. Dezember in einer Gaststätte in Eschwege. Zunächst bestand die Überlegung, am Sonntag für ein paar Stunden dorthin zu fahren. Den Gedanken ließ ich aber wieder fallen und entschied mich dafür, sie am Montag für eine Übernachtung zu besuchen.

Da ihr Mann beruflich unterwegs war, hatten wir die zwei halben Tage und eine Nacht nur für uns, in der wir dann ausgiebig geredet und dabei 2½ Flaschen Rotwein geleert haben. Ich fuhr mit dem Zug dorthin und sie holte mich am Bahnhof ab. Wir hatten uns schon längere Zeit nicht mehr gesehen, haben uns aber doch wieder erkannt. Bei Kaffeetrinken fragte sie mich dann, ob das schon wieder meine eigenen Haare waren. So gut war meine Perücke, dass sie als solche nicht erkannt wurde. Natürlich musste ich meine Geschichte etwas ausführlicher erzählen und von ihr kam der Vorschlag, meine Geschichte doch aufzuschreiben. Ich hatte zwar auch schon daran gedacht, doch bisher noch nicht den richtigen Anfang gefunden. Wir hatten einen netten, sehr langen Abend und haben ihn sehr genossen. Am Dienstag fuhr ich wieder nach Hause, meine Bestrahlung hatte ich auf später verlegt.


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Aktualisiert am: 2017-03-01; 20:13:47
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