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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Mein 50. Geburtstag.

Januar 2004

Eigentlich wollte ich den ja groß im Kreis der Familie feiern. Das hatten wir aber im Vorfeld aufgegeben. Wir hätten solch eine Feier frühzeitig organisieren müssen und konnten ja damals noch nicht absehen, wie ich die Bestrahlungen vertragen werde. Also war eine kleine Feier zu Hause angesagt. Eigentlich wollte ich das Essen vom Party-Service bestellen. Doch Bettina und Reinhard hatten beschlossen, dass sie an dem Tag für abends belegte Brote schmieren wollten.

Da ich an einem Mittwoch Geburtstag hatte, wollte ich ihn auch auf der Arbeit mit den Kollegen feiern und hatte gehofft, dass sie diesen Tag auch besonders anerkennen. Sie hatten meinen Schreibtisch mit Teelichtern zugestellt, aber als ich kam, war keiner im Zimmer. Ich habe mir die Teelichter selbst angezündet und dabei mein Feuerzeug ramponiert. Sie waren auch alle da, aber insgesamt hatte die Arbeit doch den Vorrang. Auch mein Abteilungsleiter war da, der dieses Jahr auch einen runden Geburtstag feiert. Ich bin ein halbes Jahr älter als er. Alles in allem war ich doch etwas enttäuscht über „meine Feier im Amt“, aber angesichts der immer stärker werdenden Belastung war das wohl nicht anders zu erwarten.

Meine Kollegin Alice hatte den Mittwoch zwar Urlaub, kam aber extra ins Amt, um mir zu gratulieren. Als Reinhard mich abholte, kam auch noch Stefan und schenkt mir eine Grünpflanze, die jetzt von Alice im Büro gegossen wird. Mein Stellenleiter kam gar nicht, obwohl er da war. Deshalb hatte ich am nächsten Tag ein nettes E-Mail zu Hause, da ich den nächsten Tag meinen F-Tag hatte. „Der unter dem Teppich, das bin ich“. Ich glaube ihm wirklich, dass es ihm sehr peinlich war und nicht etwa fehlende Wertschätzung. Aber auch das zeigt auf, wie hart die Zeiten inzwischen geworden sind.

Mein Geburtstag fing mit dem üblichen schönen Frühstück an, dann fuhr Reinhard los, um meinen Geburtstagsstrauß abzuholen. Es waren 50 rote Rosen, wundervoll gesteckt, weil man diese Anzahl nicht mehr als Blumenstrauß binden kann. Außerdem hatte er bei der Bäckerei Schäfers eine „50“ als Kuchen bestellt. Das hatte ich schon beinahe vermutet, weil dieses Angebot seit einem Vierteljahr dort im Fenster ausgestellt war. Die Fünf war Schwarzwälder Kirsch, die Null Frankfurter Kranz. Also der Kuchen für den Geburtstagskaffee war da, Reinhard hatte außerdem den tollen Käsekuchen gebacken.

An der Tür hing ein wunderschöner Geburtstagsgruß von unserer Nachbarin Inge, die 50 war etwas eingerollt wegen des „Datenschutzes“. Ich erklärte ihr aber, dass ich damit kein Problem habe und so wurde die Kollage um eine sichtbare 50 im Lauf des Tages erweitert.

Zwischen den diversen Anrufen vormittags rief dann auch Reinhard völlig entnervt an und meinte, es wäre Zeit, nach Hause zu kommen. Meine Verwandtschaft würde gar nicht verstehen, dass ich an solch einem Tag arbeiten gehen würde. Er könne sich zu Hause vor Anrufen nicht mehr retten. Wir hatten aber sowieso geplant, dass er mich mittags gegen 13:00 Uhr abholt.

Der Kaffeetisch war gedeckt und als Überraschungsgäste tauchten Doris und Horst mit einem wunderschönen Blumenstrauß auf. Das Wohnzimmer füllte sich zusehends, das Telefon stand nicht still, der Käsekuchen war als Erstes alle und beim Geschenke auspacken halfen mir meine süßen Enkelkinder. Lukas ging dann runter zu Jendrik zum Spielen, Bettina und Reinhard bewältigten den Kaffeeabwasch und begannen mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Dann kam noch Schubert Junior und schenkte mir einen lustigen Geburtstagsluftballon, der die Attraktion für die Kinder war, bis wir ihn unter die Decke hängten.

Insgesamt hatte ich eine schöne Geburtstagsfeier, wenn sie auch wesentlich kleiner ausgefallen war, als ich sie ursprünglich geplant hatte. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.


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Aktualisiert am: 2017-03-01; 20:17:45
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