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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Kuranfang

März / April 2004

Am Mittwoch, den 17. März fuhren wir los. Gaby und Peter fuhren mit ihrem Auto, weil deren Auto bei uns auf der Insel blieb, damit wir etwas mobiler waren. Peter fuhr am nächsten Tag mit Reinhard zurück. Wir kamen am frühen Nachmittag an und checkten ein. Die Begrüßung war sehr freundlich, fast wie ein Hotel.

Auf der Station änderte sich das dann. Nachdem wir das Gepäck ins Zimmer geschafft hatten, kam schon eine Schwester und „überfiel“ mich mit den ersten Terminen. In einer Viertelstunde hatte ich mit Slip und Bademantel beim Stationsarzt zu erscheinen. Die ersten Untersuchungstermine waren auch schon festgelegt. Reinhard durfte auf Nachfrage bei dem ersten Gespräch nicht mit dabei sein „das wäre hier nicht üblich“.

Also wartete er vor dem Arztzimmer auf mich. Ich hatte meine Krankenberichte selbst an die Klinik geschickt. Dazu gab ich dem Arzt noch meine Exceltabelle mit den Blutwerten. Er stellte ein paar Fragen nach meinem Befinden und schaute sich die Narben an. Er stellte auch fest, dass die Beweglichkeit beider Schultergelenke eingesteift war. Das war mir selbst auch klar. Durch die Narben und später das geplatzte Gefäß hatte ich sicherlich in den letzten Monaten eine Schonhaltung eingenommen.

Er fragte mich nach meinen sportlichen Aktivitäten zuhause, die ich mit dem Spruch von Churchill beantwortete „No sports anymore“, mein Lebensmotto. Auch die Frage nach dem Rauchen beantwortete ich wahrheitsgemäß, er ließ die Aussage so stehen und wies nur vorsichtig darauf hin, dass in der Klinik auch Unterstützung angeboten wird, wenn man das Rauchen aufgeben möchte. Das war bei mir aber nicht der Fall. Ich erzählte ihm noch, dass ich eigentlich keine Kur machen wollte und mich ziemlich unglücklich fühle.

Inzwischen waren auch Gaby und Peter eingetroffen, die Männer suchten ihr Quartier für die Übernachtung auf. Ich räumte die Koffer aus und versuchte, mich in dem Zimmer einzurichten. Die Größe und Ausstattung waren in Ordnung, leider kein Balkon und Rauchverbot im gesamten Haus. Für die Raucher gab es einen überdachten Unterstand auf dem Garagenhof. Das konnte ja heiter werden. Aber wir waren im strahlenden Sonnenschein angekommen, es war Mitte März und der Frühling sollte ja auch kommen.

Gaby und ich meldeten uns zum Abendessen im Speisesaal als Neue an. Wir waren für verschiedene Tische vorgesehen, was wir beide vehement ablehnten. Wir hatten uns zu zweit angemeldet und wollten auch zusammen sitzen. Und wir stellten gemeinsam fest, dass es alles nur schrecklich hier war. Wir hielten mit unserem Widerstand die Schlange der anderen Neuangekommenen ziemlich auf, deshalb ließen sich die Mitarbeiter erweichen und machten einen neuen Tisch zusammen mit zwei weiteren Ankömmlingen für uns auf.

Nach dem Abendessen gingen wir runter ins Dorf zu unseren Männern, um im Warmen ein Glas Wein zu trinken und die Zigaretten gemütlich zu rauchen. Um 22:30 Uhr war Sperrstunde und wir mussten in der Klinik sein. Da wir beide für den nächsten Morgen schon die ersten Untersuchungstermine hatten, verabschiedeten wir uns von unseren Männern bereits an dem Abend, weil die morgens nach dem Frühstück zurückfahren wollten.

Am nächsten Morgen mussten wir uns bereits um 6:30 Uhr vorm Schwesternzimmer einfinden. Wir wurden gemessen, gewogen, die Arme wurden vermessen und es wurde Blut abgenommen. Im Liegen, falls uns schlecht wird. Wenn die wüssten, wie oft mir im letzten halben Jahr Blut abgenommen wurde. Danach sind wir erst mal eine rauchen gegangen, für das Frühstück blieb nicht viel Zeit. Außerdem mussten wir noch das Essen für die nächste Woche bestellen. Dann mussten wir zur Blutgasanalyse und zum Lungentest. Und beide stellten wir fest, dass so eine Kur ganz schön stressig ist. Um 9:30 Uhr folgte ein Rundgang, um sich in der Klinik besser zurecht zu finden. Wir kamen natürlich zu spät, weil wir noch eine rauchen waren. Aber wir fanden die Gruppe noch.

Ja, und dann war es wie abgeschnitten. Um 13:30 Uhr hatten wir noch ein „Arztseminar / Onkologie“, in dem die einzelnen Behandlungsmethoden nach einer Brustkrebsoperation vorgestellt und erklärt wurden. In meinen Aufzeichnungen steht „war überflüssig“, weil Patienten in meinem Stadium diese Behandlungen bereits hinter sich haben und deshalb darüber ausreichend informiert, weil selbst erlebt, sind. Danach hatten wir frei. Immer Freitagnachmittag befanden sich die neuen Behandlungspläne für die nächste Woche in den Postfächern. Das war ziemlich professionell gemacht und so konnten Pläne für die Freizeit entstehen.

Die Anwendungen fanden überwiegend vormittags, Vorträge oder Entspannung fanden bis spätestens 15:00 Uhr statt. Der Nachmittag war somit meistens frei. Und erfreulicherweise bekam ich weder Walking noch Ergometer (Fahrradfahren) verordnet. Mein Hinweis auf Churchills Lebensmotto hatte wohl gewirkt. Ich hatte Sport ja nicht von vorne herein abgelehnt, war aber mit meinen Verordnungen zufrieden. Das waren alle zwei Tage Bewegungsbad, Atemgymnastik und Gruppengymnastik, dazu noch Einzeltherapie postoperativ und Ultraschallbehandlung für die Schulter.


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©2004-2017 Barbara Luszcz E-Mail Barbara Luszcz /krebs/krebs041.htm
Aktualisiert am: 2017-03-01; 20:27:18
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