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Brustkrebs: Erlebt und aufgeschrieben von Barbara Luszcz.

Der Kur-Alltag.

März / April 2004

Ich hatte meine Beschwerden dem Stationsarzt bei der Arztvisite am Dienstag geschildert. Nur, der war Gynäkologe und hatte als Behandlung nur Schmerztabletten für mich. So schlimm war es nun auch nicht. Außerdem hatte ich die selber mit, aber bisher nicht gebraucht. Mit Andrea und Margit, die mit an unserem Tisch saßen, verabredeten wir uns abends auf eine Runde Kniffeln. Margit mussten wir dieses Spiel erst beibringen, dafür gewann sie gleich am ersten Abend. Dazwischen gingen Gaby und ich zum Garagenhof eine rauchen. Es war ziemlich kalt abends und wir zittern uns richtig einen ab. Und wir wollten uns erst gar nicht vorstellen, wie die armen Raucher im Winter mit so etwas klar kommen.

Nach einer Woche hatte ich mit der Kur doch meinen Frieden gemacht. Ich musste mich nicht um Einkaufen, Essenkochen und Haushalt kümmern. Zwischen den einzelnen Anwendungen war immer genug Zeit für eine Zigarette, ich habe noch nie so gesund geraucht. Mit den anderen Patientinnen tauschte ich Erfahrungen aus und entschied mich dann doch, die Spitzen meiner Haare schneiden zu lassen. Vielleicht wuchsen die Haare dann besser und schneller. Ich lief weiter mit Perücke oder Mützchen herum, die eigenen Haare waren noch nicht lang genug. Aber damit hatte ich ja keine Probleme.

Irgendwie vergingen die Tage wie im Flug. Es gab viele Erlebnisse und Gespräche, die ich aber nicht im Einzelnen aufschreibe. Die Anwendung „Entspannung nach Jacobsen“ habe ich nach zwei Terminen für mich selbst abgewählt. Ich bin eben kein Mensch für solche Veranstaltungen. Richtig kontrolliert wurde die Anwesenheit nicht. Die Mappen wurden zu Beginn der Veranstaltung auf einen Stapel gelegt und von der Therapeutin am Block abgezeichnet. Das kann man auch selber.

Die Oberarztvisite am zweiten Montag verlief auch nicht nach meinen Vorstellungen. Für mein Knie, das sich nicht besserte, gab es kein Behandlungsangebot. Dafür zählte die Oberärztin die Nachteile des Rauchens auf und hielt mir einen entsprechenden Vortrag. Danach sagte sie aber zu, dass man versuchen würde, mit dem auswärtigen Orthopäden einen Termin zu vereinbaren. In der Woche wurden die Knie geröntgt, es waren keine Veränderungen zu erkennen, die meine Beschwerden begründet hätten.

Der Orthopäde hat sich am Freitag die Knie angesehen. Stellte fest, dass ich rechts ein leichtes O-Bein habe, beide Kniescheiben sehr locker sitzen, aber sonst auch nichts festzustellen sei. Am Montag erhielt ich auf der Station noch eine Sportsalbe zur Linderung der Beschwerden. Dazwischen hatte Frau Hrasdil aber immer wieder, wenn es die Zeit erlaubte, mein Knie behandelt. Die Beschwerden besserten sich leicht, die Treppen (wenn es nicht anders ging) ging ich aber weiter Stufe für Stufe.

Ich lernte Christa Bohlmann kennen. Sie hat über ihre Erkrankung ein Buch geschrieben und in der Klinik eine Lesung zu diesem Buch abgehalten. Sie hat mir das Buch später geschenkt. Ich habe es immer noch nicht gelesen, weil ich mich für meinen Rückblick nicht beeinflussen lassen will. Christa hat noch weitere Bücher geschrieben, zu denen zwei Lesungen stattfanden. Da sie auch Kniebeschwerden aufgrund einer missglückten Operation hatte, machten wir zwei „Fußlahmen“ öfter gemeinsam angemessene Spaziergänge.

Am Wochenende fuhren wir mit Gabys Auto Richtung Heringsdorf und Ahlbeck. So bin ich dann auch auf den Polenmarkt gekommen, wo ich eigentlich grundsätzlich nicht hin wollte. Ich bin mit Christa dann von Ahlbeck nach Heringsdorf die Promenade lang gegangen, mittags hat uns Gaby an der Straße wieder eingesammelt. Wir sind an dem anderen Wochenende mit dem Schiff nach Polen gefahren, aber nur wegen der Zigaretten. Es gab abends zwei bis drei Mal Veranstaltungen, von denen wir einige besuchten.

Die Abend- und Gute-Nacht-Zigarette rauchten wir mit den anderen Raucherinnen inzwischen hinter der Hecke gegenüber dem Eingang. Ich hatte dafür immer meinen Taschenaschenbecher dabei, zumindest unsere Kippen mussten am nächsten Tag nicht aufgesammelt werden.

Und am Ende meiner Kurzeit sagte Gaby abends sinnend bei der Gute-Nacht-Zigarette: „Aber das nächste Mal fahren wir nicht mehr hier her.“ Wie jetzt, doch Geschmack daran gefunden? Aber wenn man es objektiv betrachtet, ist so eine Kur doch gut. Und an das gesunde Rauchen kann man sich gewöhnen. Das Ende der Kur rückte näher und es fanden diverse Abschiedsrunden in der Cafeteria statt. Da dort auch Wein ausgeschenkt wurde, endeten manche feuchtfröhlich.


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Aktualisiert am: 2017-03-01; 20:33:10
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